Regine Kuschke

Ich begrüße sie heute zur 42. Ausstellung im Kunstprojekt TRAFO.1-3. mit Arbeiten der Künstlerin Regine Kuschke.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen. Die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen. Die andere hebt gewaltsam sich vom Staub zu den Gefilden hoher Ahnen. (Goethes Faust, 1808)Im Faustmythos geht es um den Sinn der menschlichen Existenz, um den Menschen in seinem Hin- und Hergerissen sein zwischen hellen und finstren Mächten die ihn auf Schritt und Tritt begleiten.
In der Geschichte, ob in den Palästen oder auf den Märkten waren es die Clowns, die hinter Schminke und einer Maske versteckt, uns den Spiegel vorhielten. Im Theater ist das noch heute so und auch die Kunst kann das leisten...
Clowns und Narren haben immer die gesamte Palette menschlicher Charakterzüge repräsentiert- waren das Ying und Yang, der Engel und der Teufel, das Gute und das Dunkle, die Liebe und der Hass. Und weil Clowns, Narren und oft auch Künstler keine Angst vor dem Scheitern und dem Verlust sozialer Anerkennung haben, macht sie das unberechenbar. Ein Clown fürchtet sich nicht mehr vor der eigenen Lächerlichkeit, er fürchtet sich vor gar nichts mehr. Und wer sich nicht fürchtet, ist nicht beherrschbar und wird damit gefährlich für die Mächtigen.

Regine Kuschke taucht in ihren Bildern ab in die unergründlichen oft versteckten und überdeckten Seiten der menschlichen Seele, zeigt - oft auch nur in Details- die Träumereien, das Verborgene, die andere Seite des Ich in ihren Figuren.

In ihrer Kunst können Menschen ihr zweites Ich nach außen kehren, können zeigen, dass sie auch dunkle Seiten haben, dass sie ständig auf der Suche nach dem richtigen Schlüssel zu ihrem Leben sind, dass ihnen dabei die Dämonen im Nacken sitzen.

Aber ihre Figuren sind oft auch versonnen mit dem Blick nach Innen oder in die weite ungewisse Ferne.

Die Malerin nutzt hier das, was nur Kunst kann: Das nicht Aussprechbare auf die Leinwand zu bringen, das nicht Lebbare lebendig werden zu lassen. In ihren Figuren und Hauptdarstellern menschlicher Existenz zeigt sie uns auch die Liebe, die Sehnsucht und Hoffnung des Menschen, sich einmal frei von den Ketten gesellschaftlicher Normen und Werte zu bewegen. Und das kann man eben nur, wenn man sein zweites Ich hinter der Maske auch zulässt, es als einen Teil der gesamten Persönlichkeit akzeptiert. Immer nur gut ist Kitsch, immer böse Propaganda.

 Das Pendel der menschlichen Existenz sucht die Amplitude zwischen diesen beiden Polen auszuloten.Die Malerei von Regine Kuschke tut das auf ihre Weise auch. Mit kräftigem Strich und leuchtenden Farben, mit Mut zur grenzenlosen Phantasie und mit dem vorsichtigen ergründen menschlicher Untiefen. Denn was ist Freiheit mehr, als offen die gesamte Spannbreite unserer Persönlichkeit auszuleben.

Und das kann man eben nur, wenn man sein zweites Ich hinter der Maske auch zulässt, es als einen Teil der gesamten Persönlichkeit akzeptiert. Immer nur gut ist Kitsch, immer böse Propaganda. Das Pendel der menschlichen Existenz sucht die Amplitude zwischen diesen beiden Polen auszuloten.

Die Malerei von Regine Kuschke tut das auf ihre Weise auch. Mit kräftigem Strich und leuchtenden Farben, mit Mut zur grenzenlosen Phantasie und mit dem vorsichtigen ergründen menschlicher Untiefen. Denn was ist Freiheit mehr, als offen die gesamte Spannbreite unserer Persönlichkeit auszuleben. Die Kunst von Regine Kuschke will uns auf diesem Weg begleiten, uns ihre Sichtweise des unergründlichen Seins näherbringen.

 

Auszug aus der Rede von Michael Pommerening 2018

Menschensbilder

Hintergründiger Realismus - das ist die Assoziation, die als erstes in den Sinn, oder besser: in die Sinne kommt, wenn man Regine Kuschkes Arbeiten beschreiben möchte, ob kleine Miniaturen oder richtig große Formate.
Auf den ersten Blick bestechen sie durch eine detaillierte, fast filigrane Bleistift-Skizzur oder farbigen Sensualismus, die beide gleichermaßen sensibel eher als akribisch viele Einzelheiten von Sujets, Oberflächen und Stimmungen wiedergeben. Gleich den Foto-Vorlagen, nach denen sie entstanden sind, deren vermeintlichen Realismus sie aber schon durch den zeichnerischen Prozess in Frage stellen: ist oder war es wirklich so, wie dargestellt?
 
Dazu wird die gestalterische Poesie oft gebrochen durch große, meist farbige Flecken oder Flächen, die das allzu Malerische deutlich zurücknehmen und das darunter liegende Papier als fiktionale Ebene enttarnen. Wenn man dies wahr-nimmt, begreift man die Brüchigkeit von Darstellung sowie der eigenen Rezeption und beginnt beide zu hinter-fragen. Im Ergebnis dann leuchtet durch die zunächst aufscheinende Romantik die vielschichtige Subjektivität sowohl von dargestellten Personen als auch die der Künstlerin hindurch; die Arbeiten gewinnen an psychologischer Tiefe, ohne zu psychologisieren, und Bilder von Menschen werden zu Menschensbildern mit all ihren zarten Facetten: es ist, als ob man in einen Spiegel der Seele schaut und sich oft selber darin erkennt. Als eine oder einer von ihnen.
Tom Hegemann, April 2015
www.credoandcritic.com

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