Regine Kuschke

Singende Kinder sind mit dem Klischee von Reinheit und Unschuld verknüpft. Als Ort des gemeinsamen Singens drängen sich barocke wie protestantische Kirchenräume als Vorstellungsbilder auf.
Die Gesichter der Chorknaben sind Portraits. Sie sind herausgenommen aus der Gemeinschaft des Chores. Jeder Junge hat seinen eigenen Ausdruck, seine eigenen Empfindungen, seine Gedanken und in dieser Konzentration wirkt er so, als gäbe es um ihn herum nichts anderes als diesen individuellen Ausdruck seiner Selbst. Die Gesichter wirken sehr konzentriert. Sie sind ernst, manche auch wütend. Auf diesem Ausdruck liegt ein Fokus meiner Arbeiten.

Die Zartheit und Sensibilität der Kindergesichter korrespondieren mit der Technik des Aquarells. Die zeichnerische Konzentration auf den Kopf, gibt den Porträts etwas entrücktes, aus der Zeit heraus gehobenes. Nur das deutliche Rot der Kleidung verweist auf den Kontext, aus dem die Porträts entnommen sind. Mit dem Begriff der Ministranten verbindet sich auch eine Vorstellung, die als dunkle Seite an der Zartheit und Sensibilität der Chorknaben haftet. Sie sind zugleich auch Objekt der Begierde und Projektionsfläche von Wünschen Erwachsener. Diese untergründige Ambivalenz des Blicks auf Chorknaben erschließt sich nicht dem ersten Blick, ist aber als Bedeutungebene angelegt.

 Regine Kuschke

 

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