Regine Kuschke

Menschensbilder

Hintergründiger Realismus - das ist die Assoziation, die als erstes in den Sinn, oder besser: in die Sinne kommt, wenn man Regine Kuschkes Arbeiten beschreiben möchte, ob kleine Miniaturen oder richtig große Formate.
Auf den ersten Blick bestechen sie durch eine detaillierte, fast filigrane Bleistift-Skizzur oder farbigen Sensualismus, die beide gleichermaßen sensibel eher als akribisch viele Einzelheiten von Sujets, Oberflächen und Stimmungen wiedergeben. Gleich den Foto-Vorlagen, nach denen sie entstanden sind, deren vermeintlichen Realismus sie aber schon durch den zeichnerischen Prozess in Frage stellen: ist oder war es wirklich so, wie dargestellt?
 
Dazu wird die gestalterische Poesie oft gebrochen durch große, meist farbige Flecken oder Flächen, die das allzu Malerische deutlich zurücknehmen und das darunter liegende Papier als fiktionale Ebene enttarnen. Wenn man dies wahr-nimmt, begreift man die Brüchigkeit von Darstellung sowie der eigenen Rezeption und beginnt beide zu hinter-fragen. Im Ergebnis dann leuchtet durch die zunächst aufscheinende Romantik die vielschichtige Subjektivität sowohl von dargestellten Personen als auch die der Künstlerin hindurch; die Arbeiten gewinnen an psychologischer Tiefe, ohne zu psychologisieren, und Bilder von Menschen werden zu Menschensbildern mit all ihren zarten Facetten: es ist, als ob man in einen Spiegel der Seele schaut und sich oft selber darin erkennt. Als eine oder einer von ihnen.
Tom Hegemann, April 2015
www.credoandcritic.com

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